​Mobbing – die kleinen Narben auf der Seele

Der wohl persönlichste Blog-Post den ich je schreiben werde… der mich viel Überwindung und viele Tränen gekostet hat…

Das Video des kleinen Keaton Jones ging Mitte Dezember des Letzen Jahres um die Welt. Der kleine Junge erzählt seiner Mutter tränenaufgelöst von seinen Mobbing-Attacken, die ihm täglich in der Schule widerfahren. Das Video hat viele Gemüter erhitzt, viele fanden es nicht richtig, dass seine Mutter das ganze Internet an den Problemen ihres Sohnes teil haben lässt, andere hat es aber eher zum Nachdenken bewegt so auch uns.

 

Mobbing ist ein weit verbreitetes Problem.
Angefangen im Kindergarten zieht es sich bis zum erwachsenen Alter durch. Wobei
trotzdem hier der Spruch „Kinder können grausam sein“ nie verkehrt ist. Denn die meisten Fälle von Mobbing finden in der Schule statt.

 

Ich selbst war auch Jahre lang ein Opfer und hab mich nie gewehrt. Angefangen in der Volksschule wo mich meine Mitschüler, meine Freunde wie ich damals gedacht habe, ausgelacht und veräppelt haben, weil ich an Fasching als Sporty Spice gegangen bin – den als Behinderte kann ich doch nicht Sporty Spice sein – bis hin zum Gymnasium, wo ich ohne genauen Grund Schläge kassiert habe, mit Fanta übergossen wurde oder auf der
Sportwoche am Gang schlafen musst, weil meine eigentlich beiden Besten
Freundinnen nicht mehr mit mir in einem Zimmer schlafen wollten sondern lieber
ein paar Jungs dazu holten… Wie oft hört man in den Nachrichten, dass sich
ein Jugendlicher umgebracht hat auf Grund von Mobbing und weil die Schulzeit
war eine einzige Hölle war. Oder nehmen wir nur die Netflix Serien “ Tote
Mädchen lügen nicht“ – die für viel Aussehen sorgte-, auch hier ist der
einzige sichtbare Ausweg Selbstmord, aber so sollte es nicht sein. Ich hatte
das Glück dass ich meinen Sportverein hatte, wo ich wirklich Freunde hatte,
dass machte die Schule erträglicher. Im letzten Schuljahr, bevor ich diese
abgebrochen habe, erfuhr ich dann zum ersten Mal, dass man auch in der Schule
Freunde haben kann. Es gab einen Jungen der immer für mich da war und mich
verteidigte, wenn ich es einfach nicht mehr konnte. Wer weiß was aus mir
geworden wäre wenn ich das nicht gehabt hätte…

 

Kinder denken nicht darüber nach, ob sie den anderen damit verletzten, aber es hinterlässt bei den Opfern tiefe Narben, die schwer wieder heilen.

 

Mobbing fängt schon mit Kleinigkeiten an mit kleinen Beschimpfungen, von Tussi, bis hin zu größeren, härteren Worten wie Missgeburt, bis hin zum Ausgrenzen beim Spielen oder bei der Auswahl der Teams im Sportunterricht. Denn auch wenn manche Dinge „nur“ Kleinigkeiten sind… jeder fängt mal klein an und man weiß nie in welche Richtung sich diese Kinder dann entwickeln.

 

Ich will mich selber hier nicht als das arme Opfer darstellen… auf gar keinen Fall. Es ist mehr ein Aufmerksam machen.

 

Viel zu oft wird einfach weggesehen, egal ob von den Lehrern, der Chef Etage oder gar den eigenen Eltern. Das gemobbte Kind in eine andere Schule zu stecken oder in der Arbeit in eine andere Abteilung zu versetzen kann doch nicht immer der einzige Weg sein. Es gehört tiefer hinein geblickt. Warum hat die gemobbte Person so eine große Angriffsfläche für andere, aber auch warum mobbt der Mobber. Oft mobben Person deswegen, da sie selbst tiefe Probleme haben – Gewalt zu Hause oder sie bekommen es von ihren Eltern einfach auch nicht anders vorgelebt, dass Dinge wie Mobbing oder
körperliche Gewalt in Ordnung sind oder sie wollen einfach gesehen werden und
Aufmerksamkeit. Egal aus welchem Grund jemanden einen anderen gerne verletzt,
auch hier gehört geholfen. Aber in beiden Fällen ist wegschauen der falsche
Weg.

 

Das wichtigste ist, dass man sich selber nicht als Opfer sieht und sich dadurch selbst verliert. Ich habe selber immer wieder gedacht wenn ich anders wäre würden sie mich dann mögen. An meiner Situation mit dem Rollstuhl kann ich nichts ändern, aber an meinem Aussehen und weiß Gott ich habe wirklich alles ausprobiert und mich immer wieder verändert damit sie aufhören, aber sie haben nie aufgehört. Irgendwann habe ich dann gemerkt „Ich bin so wie ich bin! Ich bin genug“ und wenn sie es nicht sehen,
haben sie Pech gehabt. Natürlich bin ich heute noch sehr vorsichtig und mir immer
wieder unsicher bei Freundschaften, was meiner besten Freundin oft schwer zu
schaffen macht. Das Vertrauen ist da, aber man hat immer Angst es zu zulassen.
Wunden heilen, aber Narben bleiben und vor allem auf der Seele. Man muss
versuchen an solchen Dingen zu wachsen und das wichtigste sich selbst immer
wieder sagen „DU BIST GENUG“
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